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Tut Autismus weh?
 
Aktualisiert am 04-03-2016
 
Einleitung
 
 
Autismus ist eine genetisch bedingte, neurologische Variation. Sofern Autismus als Behinderung definiert wird ist er von außen, für Menschen ohne Autismus, auch im direkten Umfeld weder unmittelbar noch mittelbar als eine dauerhafte und gravierende Beeinträchtigung zu erkennen. Allgemein resultiert aus der nicht vorhandenen Sichtbarkeit von Einschränkungen, die nachvollziehbare Erwartungshaltung der Menschen ohne Autismus, dass sich auch die Autisten, in ihren sozialen Umfeldern, interaktiv-adäquat verhalten können sollten. Diese Annahme bedeutet, dass Autisten Dinge wie Smalltalk, Gestik, Mimik, Ironie sowie Witz bewusst und unmittelbar, sowie Handlungen wie das Agieren bzw. Reagieren, das sich selbst Einbringen und Vertreten und das sich Wohlfühlen in heterogenen Gruppen als völlig selbstverständlich und damit mühelos erleben.
 
 
 
 
Unterscheidung
 
 
Menschen mit Autismus nehmen die Welt jedoch anders wahr. In ihrem Umfeld erleben sie häufig eine große zusammenhanglose Menge an Einzelinformationen und es ist ihnen meistens nicht unmittelbar möglich, zu erkennen, was davon tatsächlich und situationsbedingt relevant ist. Das bedeutet, dass Autisten u.a. im alltäglichen sozialen Miteinander in heterogenen Gruppen wiederholt Informationen entgehen bzw. fehlen werden. Das Fehlen dieser für die Kommunikation essentiell wichtigen Informationen entsteht durch die bereits erwähnte, variierende Sinneswahrnehmung, mit der Autisten die Gestik, Mimik und Intonation des Gegenübers nicht automatisch also intuitiv erleben und somit nicht unmittelbar erfassen können.
 
 
Soziale Interaktionen, die Menschen ohne Autismus sich intuitiv erschließen können, müssen von Autisten also erst in ihrer ganzen Komplexität mit allen Informationen bewusst und einzeln voneinander getrennt wahrgenommen werden. Erst damit werden Autisten sich die entsprechenden kausalen Zusammenhänge ableiten und mittelbar darauf reagieren und gegebenenfalls im (in-)direkten Kontext kommunizieren können. Eine kognitiv-bewusste Kompensation fehlender Einzelinformationen ist damit nur unter der Verwendung immenser Energiereserven möglich. So können aber auch die Autisten durchaus ein annähernd interaktives und adäquates Verhalten entwickeln. Im Ergebnis handelt es sich um eine nicht-intuitive und bewusst-hergestellte Anpassung. Sie ist in aller Regel nur mittelbar möglich. Darüber hinaus wirken Verhaltensweisen, die aus dieser Kompensationsleistung entstanden sind, auf den Empfänger zumeist sehr ungelenk und künstlich. Der Sender wiederum empfindet sie meistens als falsch oder zumindest unpassend, weil sie eben nicht eine direkte Reaktion, sondern vielmehr eine gut geplante, vorbereitete (indirekte) Aktion mit dem Ziel einer bewussten Beeinflussung des Gegenübers darstellen.
 
 
Zusätzlich werden Autisten als Sender aufgrund des bereits beschriebenen Fehlens von Einzelinformationen häufig dazu neigen, die entstandenen Lücken aus den für sie nicht erfahrbaren nonverbalen Signalen, assoziativ durch eigene Erfahrungen und dem daraus resultierenden Wissen zu schließen. Es bedeutet das Autisten in den entsprechenden Situationen somit häufig mutmaßen zu wissen, was das Gegenüber genau gemeint hat bzw. einfach versucht sind, zu erraten was Andere bereits nonverbal zum Ausdruck gebracht haben. Je mehr Einzelinformationen Autisten in diesem Zusammenhang vor ihrer eigenen Reaktion für sich erkannt haben, desto konkreter wird die Erwartungshaltung des Gegenübers wahrgenommen, wodurch selbstverständlich auch die Wahrscheinlichkeit für ein kommunikatives Missverständnis sinkt. Wenn zu wenige Einzelinformationen zu einer Situationseinschätzung erkennbar waren, können Autisten nur alternativ auf ihre Erfahrungen innerhalb vergleichbarer Situationen zurückgreifen. Je umfangreicher diese gesammelten Erfahrungen sind bzw. je höher das Lebensalter der Autisten ist, umso häufiger werden sie sich darauf verlassen und auch zurückgreifen wollen, um so pauschal bzw. präventiv Missverständnisse verhindern zu können. So werden aus den abgeleiteten Aktionen oder Reaktionen der Autisten bzw. ihren lateral gefundenen Erkenntnissen (nicht Einzelinformationen), mit höherer Lebenserfahrung bzw. einem höherem Lebensalter, auch häufiger bzw. regelmäßiger schwere, kommunikative Missverständnisse entstehen.
 
 
 
 
Multiplikator
 
 
Multipliziert mit dem fehlenden, teilweise unvollständigem Wissen und den undifferenzierten Annahmen zu Autismus, aus einem rein quantitativen Halbwissen seitens der Menschen ohne Autismus heraus, entsteht ein nicht zu kompensierendes Ungleichgewicht, gegenüber Menschen mit einer dauerhaften und gravierenden Beeinträchtigung. Menschen im Autismus Spektrum werden so in ihrem Bestreben nach Rehabilitation und freier Persönlichkeitsentfaltung entscheidend benachteiligt bzw. dadurch auch grundsätzlich diskriminiert.
 
 
 
 
 
 
 
Fazit aufgrund der Einleitung
 
 
Bei Smalltalk, Gestik, Mimik, Ironie sowie Witz und Handlungsweisen wie dem Agieren bzw. Reagieren, dem sich selbst Einbringen und Vertreten bzw. dem sich Wohlfühlen in heterogenen Gruppen erfahren Menschen ohne Autismus zumeist Resonanz.
 
 
 
Fazit aufgrund der Unterscheidung
 
 
Bei Smalltalk, Gestik, Mimik, Ironie sowie Witz und Handlungsweisen wie dem Agieren bzw. Reagieren, dem sich selbst Einbringen und Vertreten bzw. dem sich Wohlfühlen in heterogenen Gruppen erleben Menschen mit Autismus zumeist Frustration.
 
 
 
Fazit aufgrund der Einleitung der Unterscheidung und des Multiplikators
 
 
Autismus ist eine neurobiologische Variation, die bei den betreffenden Menschen einen erheblichen Einfluss auf deren Wahrnehmung und dadurch maßgeblich auf ihre Reaktionsgeschwindigkeit in sozialen Interaktionen und damit letztlich auf ihr gesamtes Kommunikationsverhalten nimmt. Erfahrungsgemäß fehlen Autisten innerhalb ihrer sozialen Interaktionsumfelder, Einzelinformationen aus der nonverbalen Kommunikation ihrer Gegenüber, um so zu einer reellen Situationseinschätzung und einer daraus resultierenden eigenen Handlungsweise kommen zu können. Selbst nebensächliche Entscheidungen, zum Für und Wider in zwischenmenschlichen Beziehungen werden so für sie vorwiegend die Dimension schwerwiegender Gewissensfragen haben.
 
 
Autismus hat damit an sich keinen Krankheitswert, der geheilt oder therapiert werden kann. Jedoch können die negativen bzw. verheerenden Auswirkungen von heterogenen Gruppen auf Autisten durch eine vorhersehbare, klar strukturierte und rein sachorientierte Kommunikationsumgebung erheblich reduziert und dadurch entscheidend reiz-arm bzw. barriere-ärmer gestaltet werden. Gruppen-Dynamiken, bei denen Autisten also mit Menschen ohne Autismus interagieren müssen, fehlt eine dementsprechend geordnete Basis zur Kommunikation die auf spontane Störungen des Gegenübers und damit auch auf Unvorhersehbarkeiten verzichtet. Die autistische Wahrnehmung ist neben der Wahrnehmung der Menschen ohne Autismus grundsätzlich als gleichwertig anzuerkennen.
 
 
 
 
 
 
Mögliche Lösungswege
 
 
Verzicht auf alle naiven Versuche, mit denen Autisten in heterogene Gruppen-Dynamiken integriert werden sollen. Vor allen Dingen nicht, mit dem Wissen der hier beschriebenen Auswirkungen auf die Gesundheit der Autisten. Stattdessen, das Entwickeln einer Inklusion im Sinne der autistischen Wahrnehmung und nicht nach dem allgemeinem Inklusions-Verständnis der Menschen ohne Autismus. Die Schaffung einer interaktiv-adäquaten Kommunikationsbasis, die innerhalb heterogener Gruppen genau auf eine dementsprechende Barrierefreiheit achtet und die autistische Wahrnehmung dadurch als qualitativ gleichberechtigt berücksichtigen kann.
 
 
 
 
 
 
 
Tut Autismus weh? Nein! - Autismus tut Niemandem weh -
Ignoranz gegenüber der autistischen Wahrnehmung schon
 
!!! 
 
 
 
 
 
 
 
 
Erstveröffentlicht am 12-02-2016
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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